Heimatgeschichten

Der Vogt auf Mühlstein

Ich mag den Schwarzwald sehr. Schon seit ich mich erinnern kann. Seine unterschiedlichen Landschaften. Tiefe Täler und steile Hänge, die vom Rheintal Richtung der kargen Hochebenen im Nordschwarzwald ziehen. Die finsteren, einsamen Wälder im Osten. Und natürlich die alpin anmutenden Höhen des Hochschwarzwaldes. Einen besonderen Platz in meinem Herzen aber hat die Gegend um Kinzig- und Renchtal. Für mich war der mittlere Schwarzwald noch nie unberührte Natur oder Wildnis. Für mich war dieser Teil meiner Heimat immer der Wald der Köhler, Glasmacher und Flößer. Der Wald der Geschichten. Die Berge dort reichen kaum an die 1000 Meter Marke heran. Alles ist ein bisschen gedrungener als im Norden und Süden. Nicht so weitläufig. Dafür ein bisschen lieblicher. Vom Tal bis zu den höchsten Höfen und den fast immer bewaldeten Höhen ist es nicht sonderlich weit. Die Gegend ist voll von Geschichte und Geschichten. Wer sich mit diesen Geschichten befasst kommt kaum an Heinrich Hansjakob vorbei. Dem katholischen Geistlichen, der im 19. und frühen 20. Jahrhundert das Leben im Wald in unzähligen Veröffentlichungen festgehalten hat. An einem warmen Sonntag im März wandern wir auf seinen Spuren rund um das Harmersbachtal. Der Saharastaub in der Luft macht das Licht weich, lässt die Landschaft tief gestaffelt erscheinen. Blumen und Bäume beginnen zu blühen und die ersten Felder sind bereits umgepflügt. Aus den Wäldern hört man das Klopfen der Spechte. Hummeln sind unterwegs und allgegenwärtig ist das Zwitschern der Singvögel.

Wir starten in Zell am Harmersbach und folgen seinen Spuren  über Nill Richtung Brandenkopf, Oberharmersbach und zum Vogt auf Mühlstein. Eine Vesperstube und ein Hof mit Geschichte. Ein Hof, dessen früherem Besitzer Hansjakob ein eigenes Buch gewidmet hat. Sein wahrscheinlich bekanntestes: Vogt auf Mühlstein. Den Titel finde ich ein bisschen Irre führend. Der Namensgeber der Geschichte ist eigentlich mehr Nebendarsteller. Vielmehr geht es um die Tochter des Vogt Magdalena und Ihren Jokenöhler Hans. Auf wenigen Seiten entfaltet Hansjakob eine Liebesgeschichte epischen Ausmaßes. Um so erstaunlicher, wenn man erfährt, dass diese keine Erfindung ist, sondern sich wie beschrieben zugetragen haben soll. In der Gegend die wir durchwandern ist die Geschichte jedenfalls allgegenwärtig. An einigen Schauplätzen gibt es Hinweistafeln dazu. Auf dem Friedhof von Zell blieben bis heute die Gräber der Magdalene Muser und des Ulrich Faißt erhalten. Vom Mühlstein führt uns der Weg kurzweilig und aussichtsreich zurück zum Startpunkt. Von den Dächern Zells begrüßt uns das Klappern der Störche.

Brautzug im Winter (Wilhelm Hasemann, Augustinermuseum). Das. Bild zeigt den Brautzug der Magdalena zur Kirche in Zell.

Die gelaufene Strecke ist hier verlinkt https://www.komoot.com/de-de/tour/2818907620

Für alle die die Tour nachwandern wollen gilt der Hinweis, dass die Tour nicht komplett auf markierten Wegen verläuft und die Karten nicht immer exakt die Gegebenheiten vor Ort abbilden. Bitte Informiert Euch daher vor einer Tour sorgfältig und verlasst Euch nicht blind auf fremde Planungen.

http://vogt-auf-mühlstein.de

https://de.wikipedia.org/wiki/Hansjakobweg_II#Weblinks

https://info.haslach.de/heinrich-hansjakob/hansjakob-museum

 

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